„VfB Stuttgart gegen den 1. FC Egenhausen“ – eine solche Begegnung ist auf dem Egenhauser Sportplatz nicht alle Tage zu sehen. Am vergangenen Freitag gehörten Paarungen mit klangvollen Namen allerdings zum Programm. Beim Sepp-Herberger-Tag schlüpften die 120 Schülerinnen und Schüler der Grundschule für einige Stunden in die Rollen großer Fußballvereine und gingen selbst auf Torejagd.
Der Sepp-Herberger-Tag ist eine vom Deutschen Fußball-Bund unterstützte Initiative, mit der die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Fußballvereinen gestärkt werden soll. Gleichzeitig sollen Kinder mit dem Fußball in Berührung kommen, die bislang vielleicht noch wenig oder gar keinen Kontakt zu einem Verein hatten. In Egenhausen ist der Aktionstag inzwischen zum wiederholten Mal Bestandteil der guten Zusammenarbeit zwischen Grundschule und 1. FC Egenhausen. Rektor Andreas Schrade und die Verantwortlichen des Vereins stehen dazu regelmäßig im Austausch. Die Zusammenarbeit soll auch über den Sepp-Herberger-Tag hinaus fortgesetzt und weiterentwickelt werden.
Los ging es mit dem DFB-Fußballabzeichen. Alle 120 Kinder durchliefen fünf Stationen und konnten dabei Punkte sammeln. Beim Dribbelparcours ging es mit dem Ball am Fuß auf Zeit durch einen vorgegebenen Kurs. Beim „Elferkönig“ war Treffsicherheit gefragt. An der Station „Kopfballkönig“ versuchten die Kinder, einen Schaumstoffball per Kopf oder Direktabnahme im Tor unterzubringen. Kurze und präzise Pässe gegen eine Langbank waren an der Kurzpassstation gefordert. Beim „Flankengeber“ wiederum musste der Ball möglichst genau in einem vorgegebenen Zielfeld landen – und dort auch liegen bleiben.
Nach fünf Stationen und reichlich Bewegung kam die Pause zur richtigen Zeit. Der 1. FC Egenhausen hatte ein großes Obstbuffet vorbereitet, an dem sich die Kinder für den zweiten Teil des Vormittags stärken konnten.
Danach wurde aus dem Sportplatz für kurze Zeit eine kleine Bundesliga-Arena. Die Kinder der Klassen eins und zwei sowie der Klassen drei und vier wurden jeweils zu zehn Mannschaften zusammengelost. Die 20 Teams trugen die Namen von Bundesligavereinen. Ergänzt wurde das Feld durch den Partnerverein des FCE, den 1. FC Heidenheim, und natürlich durch den Lokalmatador 1. FC Egenhausen.
So standen plötzlich der FC Bayern und RB Leipzig auf dem Spielplan, Schalke 04 traf auf den Hamburger SV – und der VfB Stuttgart bekam es mit dem 1. FC Egenhausen zu tun. Ob das spielerische Niveau an diesem Vormittag immer ganz mit den großen Namen mithalten konnte, darüber ließ sich am Spielfeldrand sicherlich diskutieren. Beim Einsatz gab es dagegen wenig Zweifel. Die Kinder gingen mit viel Energie zu Werke, erzielten zahlreiche Tore und hatten vor allem sichtbar Spaß am gemeinsamen Fußballspielen. Jedes Team absolvierte vier Begegnungen; auf eine Finalrunde wurde bewusst verzichtet.
Zum Abschluss wartete noch einmal ein besonderer Moment. Entsprechend ihrer zuvor erreichten Punktzahl erhielten die Kinder das DFB-Fußballabzeichen in Bronze, Silber oder Gold. Außerdem gingen sie mit einer Medaille beziehungsweise einem kleinen Geschenk nach Hause.
Dass die Farbe des Abzeichens dabei nicht das Entscheidende war, machte der Vorsitzende des 1. FC Egenhausen, Benjamin Finis, zum Abschluss deutlich. Ein Kind dribbelt vielleicht besonders sicher durch den Parcours, ein anderes trifft fünfmal ins Tor. Manche gehen ohne Scheu in jeden Zweikampf, andere halten sich auf dem Fußballplatz eher zurück. „Das sagt aber nichts darüber aus, was ein Kind wert ist und was in ihm steckt“, gab Finis den Grundschülern mit auf den Weg. Vielleicht könne jemand besonders gut rechnen, ein Instrument spielen, andere zum Lachen bringen oder sei genau dann zur Stelle, wenn ein Freund Hilfe brauche. Jeder habe seine eigenen Stärken. An diesem Vormittag standen die fußballerischen im Mittelpunkt – an einem anderen Tag sind es andere.
Dass ein Vormittag mit 120 Kindern, fünf Stationen und 20 Turniermannschaften überhaupt funktioniert, war das Ergebnis vieler helfender Hände. Sieben Jugendliche aus der B-Jugend des 1. FC Egenhausen wurden von ihrer eigenen Schule für den Tag freigestellt und kehrten damit gewissermaßen an ihre frühere Grundschule zurück – diesmal nicht als Schüler, sondern als ehrenamtliche Helfer. Unterstützt wurden sie von mehreren Eltern sowie den Lehrkräften der Grundschule. Gemeinsam betreuten sie die Stationen und später die Mannschaften beim Turnier.
Zum Abschluss bedankte sich die Grundschule herzlich beim 1. FC Egenhausen und den zahlreichen Helferinnen und Helfern, die zum Gelingen des Tages beigetragen hatten. Ein besonderer Dank galt auch Benjamin Finis, der den Sepp-Herberger-Tag auf Seiten des Vereins koordiniert hatte. Gerade das Zusammenspiel von Schule und Verein sowie der Einsatz von Lehrkräften, Vereinsverantwortlichen, Jugendspielern und engagierten Eltern machten es möglich, einen solchen Vormittag für alle 120 Kinder auf die Beine zu stellen.
Zum Abschied gab es für die Kinder noch eine Einladung: regelmäßig Sport zu treiben, Neues auszuprobieren – und vielleicht auch einmal beim 1. FC Egenhausen vorbeizuschauen. Schließlich muss es nicht beim einmaligen Auftritt für Bayern, Stuttgart oder Schalke bleiben. Vielleicht läuft der eine oder die andere schon bald wieder auf dem Egenhauser Sportplatz auf – dann ganz regulär in Gelb-Schwarz.










