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  Großartige Ehrung für die Arbeit der Grundschule Egenhausen
Inklusion ist in Egenhausen selbstverständlich
 
   
     
 

In diesem Jahr ehrt der Landesverband der Gehör-losen Baden-Württemberg eine Grundschule im Landkreis Calw, die sich in besonderer Weise um die gelungene Grundschulbildung eines gehörlosen Schülers verdient gemacht hat.
Die Grundschule Egenhausen wird somit als erste baden-württembergische Schule, die einen gehör-losen Schüler in Begleitung von Gebärdensprach-dolmetschern beschult hat, für ihr besonderes inklusives Engagement geehrt.
Die Grundschule in Egenhausen, einem kleinen Ort am Rande des Schwarzwaldes, habe sich in mehrfacher Weise besonders für seinen gehörlosen Schüler engagiert, um ihm einen gleichberechtigten Zugang zu Information, Kommunikation und Bildung zu ermöglichen.

  
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Sie habe sich außerdem um die Verbreitung des Wissens über die Gehörlosenkultur verdient gemacht, begründet Daniel Büter, Geschäftsführer des Landesverbandes der Gehörlosen, die Auszeichnung. Es begann bereits mit der Reaktion von Schulleiter Dirk Seifert auf den ersten Anruf der Mutter: „Wir nehmen grundsätzlich jedes Kind auf“, und setzte sich mit der selbstverständlichen Anerkennung der Tatsache fort, dass eine barrierefreie Teilhabe eines gehörlosen Kindes am Unterricht nur durch die Verwendung der Gebärdensprache möglich ist. Schon nach dem ersten Kennenlerngespräch mit den Eltern willigte das gesamte Kollegium der Schule ein, dauerhaft eine Gebärdensprachdolmetscherin als zusätzlich anwesende Person im Unterricht zuzulassen, ein Umstand, den laut der Mutter des Kindes „so manch andere Schule dazu veranlasst hat, unseren Sohn lieber nicht an ihrer Schule aufzunehmen.“
Lobenswert ist auch die Haltung der Schule, die Entwicklung des inklusiven Settings und das Verhalten des Kindes im Verlauf genau zu beobachten, und erst dann eventuell die Reißleine zu ziehen, wenn sich negative Tendenzen zeigten. Mit dieser Haltung wurden Bedenken, das Kind könne sich innerhalb einer hörenden Klassengemeinschaft nicht richtig einfinden und sich etwa während der Pausenzeiten ausgeschlossen fühlen, mit der Zeit entkräftet. Befürchtungen, das Kind könne den Anforderungen vor allem im Fach Deutsch nicht gewachsen sein, ist die Schule gemeinsam mit den Eltern mit der Einstellung begegnet, dass das Kind überhaupt nur durch ein normales Bildungsangebot die Chance habe, auf normalem Niveau zu lernen.
Herausgekommen sind ein selbstverständlicher und selbstbewusster Umgang des Kindes mit seiner hörenden Umgebung und, den Umständen entsprechend, erstaunliche Ergebnisse sowohl im Schriftsprachvermögen als auch in der mündlichen Kommunikation mit den Lehrern und den Mitschülern. Mit großer Leichtigkeit hat das Umfeld gewisse Regeln bei der mündlichen Kommunikation beachtet - etwa das Zuwenden des Gesichts beim Sprechen - und insgesamt wurde eine Rücksicht nehmende Haltung angenommen. In der Schule wurde der Blick auf die positiven Auswirkungen gerichtet, wie z.B. auf das Erlernen von sozialen Fähigkeiten innerhalb der Klassengemeinschaft.
Zur besseren Verständigung unter den Kindern wurden in den ersten beiden Grundschuljahren Gebärdensprachkurse angeboten, die ortsansässige Firmen „dieda“ und “Schreineratelier Koch“, die Stiphtung Christoph Sonntag sowie die Stiftung Jugendförderung der Sparkasse Pforzheim Calw finanziell unterstützt. Zur Vermittlung der besonderen kulturellen Eigenheiten der Gehörlosen- gemeinschaft wurden zudem während des vierten Schuljahres Informationsabende angeboten, bei denen sich die Eltern aller Schülerinnen und Schüler der Schule darüber informieren konnten, welche Besonderheiten innerhalb der Gebärdensprachkultur zu finden sind. „Das hätte man schon viel früher anbieten sollen, dann hätte man sogar die Sprache noch ein wenig lernen können“, war die Reaktion eines Vaters. Auch andere Eltern haben sich immer wieder positiv über die Möglichkeit ihrer Kinder geäußert, schon früh diese Erfahrung mit Verschiedenartigkeit machen zu können. So ist die Beschulung des gehörlosen Kindes an der Grundschule Egenhausen insgesamt ein sehr positives Beispiel für gelingende Inklusion geworden.
Die Ehrung durch den Landesverband der Gehörlosen Baden-Württemberg e.V. in Form einer Urkunde soll der Schule in den nächsten Tagen zugehen. Sie schließt die Anerkennung der Unterstützung durch die Gemeinde Egenhausen, die Firma Dieda, das Schreineratelier Koch, die Stiphtung Christoph Sonntag sowie die Stiftung Jugendförderung der Sparkasse Pforzheim Calw mit ein.
Der Landesverband der Gehörlosen Baden-Württemberg e.V. (www.lv-gl-bw.de) sowie der Verein zur Unterstützung der Verständigung zwischen tauben und hörenden Menschen GIB CHANCE e.V. (www.gibchance.de) stehen für weitere Informationen gerne zur Verfügung. Angedacht ist ein Projekt, bei dem die gewonnenen Erfahrungen für alle gebärdensprach- nutzenden Schülerinnen und Schüler nutzbar gemacht werden.